Jan Schomburg: Das Licht und die Geräusche

Es war mir natürlich von Anfang an klar, dass es im Grunde eine Schnapsidee ist, nach Island zu fliegen und Boris zu suchen. Island ist zwar nach allem, was ich weiß, ein kleines Land, und alle sind irgendwie miteinander verwandt oder so ähnlich, aber so klein, dass man jemanden, der nicht gefunden werden möchte, innerhalb von wenigen Tagen finden könnte, so klein ist Island natürlich auch nicht.

„Wenn man einmal was erzählt hat, dann ist es da, und es ist auf eine bestimmte Weise festgelegt und nicht mehr richtig veränderbar.“ (S. 89)

Da ich eine handvoll Rezensionen gelsen habe, die dieses Buch gar nicht gut haben dastehen lassen, sage ich vorweg schonmal: Ich hatte große Freude bei der Lektüre.

Dass andere Leser dies anders empfunden haben, hat mich sogar ein wenig an meiner Empfindung zweifeln lassen, aber nach einer kurzen Zeit des Reflektierens, was genau mir an dem Buch gefiel und ob ich eventuell etwas überlesen oder verdrängt hatte, bleibe ich bei meiner Meinung: Ich mag diesen Roman und ich denke hin und wieder noch an die Geschichte. Es ist also ein Buch, das (bei mir) nachhallt und das ist viel Wert.

Den Schreibstil, bzw. die Gedanken von Johanna kann man mögen oder anstrengend finden. Ich finde es sehr erfrischend, dass ihre Gedanken ungefiltert und unverschnörkelt aufgeschrieben werden. Es sind die Gedanken eines Teenagers, die mal in diese Richtung gehen und im nächsten Moment in die andere. Dann fragt sie sich selbst, wieso sie denkt, was sie denkt oder fühlt was sie fühlt. Und wie es im echten Leben ist: wie auch ich als Leser bei weitem nicht immer eine Erklärung für meine Gedanken habe, hat es auch Johanna nicht. Also ich fand die junge Dame daher sehr sympathisch.

Was auch einige kritisieren: Worum geht es eigentlich?

Wie ja wahrscheinlich schon bekannt ist, kommt es mir weniger auf die große Story an, als vielmehr um eine tolle Versprachlichung. Auch hier können wir als Leser „nur“ den Gedanken von Johanna folgen, sie begleiten in einer Lebenssituation, in der sie sich klar wird, ob sie liebt, was Liebe ist und was ist, wenn die vermeintliche Liebe plötzlich zerstört wird.

Abgesehen von den Themen Mobbing und Selbstmord, welche in Nebensträngen erzählt werden, geht es im Großteil tatsächlich um Johannas Gedanken zu ihrer Umwelt. Sie bewertet nicht, sie stellt fest.

„…als würde alles, was ich erlebt habe, durch meine Worte diffuser, trüber, weniger. Als würde jedes Wort mich nicht näher an das Ereignis bringen, sondern davon entfernen.“ (S. 249)

 

dtv Verlag

255 Seiten

2017

20 € Hardcover

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Allerdings bin ich eher der Meinung „Unterstützt den Buchhandel“! Davon haben wir alle was.

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